TARRAGONA/Tarraco


www.tarragona.cat
Tarragona auf Wikipedia


Tarragona war 2004, beim ersten Besuch, leider kulturell komplett geschlossen (Weisser Sonntag). Was wir aber zufällig gefunden hatten, war ein klitzekleines Restaurant in den Gassen hinter dem alten Fischerhafen: La Xarxa (das Netz).  Hier bediente uns die ebenso winzige wie energische Dame des Hauses persönlich; wir bekamen die beste Paella unseres Lebens! 2009 hatten wir leider nicht die Zeit nachzusehen, ob es das Lokal noch gibt.

Was wir uns eigentlich ansehen wollten, waren die römischen Ruinen Tarragonas. Und das haben wir dann Juni 2009 auch endlich geschafft. Achtung im Juni - am Tag nach San Joan (23.06.) - ist Spanien komplett geschlossen!



Was wir zunächst feststellten war, dass Tarragona schöne Stadtstrände hat, einer davon direkt unterhalb des Amphitheaters. Dort kann man auch parken. 

Da wir leider keinen vernünftigen Stadtplan hatten (in Ampuriabrava wollte man uns keinen Reiseführer von Tarragona bestellen, obwohl wir ja für 4 Wochen dort waren), nahmen wir erst einen Umweg durch das mittagsheiße und schwüle Tarragona und suchten uns den Weg zum Museo. In der Altstadt in einem Hauseingang fragte ich an einer Besichtigungskasse nach dem Weg.


Die Dame war sehr freundlich, stattete uns mit einem Sehenswürdigkeiten-Stadtplan aus und gab uns den Tip, doch das Haus der Familie Canals (dafür war nämlich eigentlich der Eintrittskartenverkauf gedacht) zu besichtigen, die maßgeblichen Einfluss auf Tarragona hatte und deren Wohnetage auch mit originalen Möbeln ausgestattet sei.
Casa del Canals, Carrer d'en Granada 11


Fassade des Museo Nacional Arqueològic de Tarragona
Tarraco Scipionum Opus
(Tarragona ist das Werk der Scipionen)

www.mnat.es

Da wir aber spät dran waren und nur das römische Tarraco im Sinn hatten und es viel zu sehen gab, verzichteten wir dieses Mal darauf.  Wir fanden nun aber ohne Probleme den Weg durch die absolut sehenswerte Altstadt, die von Baustil sehr ans Barrio Gótico von Barcelona erinnert.

Ich denke, Tarragona ist ein noch etwas unentdecktes historisches Juwel und man sollte sich für die Stadt und die Umgebung einige Tage Zeit nehmen um sich alles aus Römerzeit, Mittelalter und Gotik anzuschauen.

 
Überreste einer Kirche in der Altstadt






 
Das antike Tarragona

Hier der Link zum interaktiven römischen Stadtplan:

Die Archäologen vermuten eine iberische Siedlung (Kissis) im Raum Tarragona. Wird wohl auch so gewesen sein, dass die römische Scipionen-Familie die günstige Lage genutzt und die Iberer mehr oder weniger platt gemacht hat, um hier einen Armeestützpunkt zu errichten.

Der Standort wurde zum römischen Tarraco ausgebaut und die Stadt als Ausgangspunkt genutzt, um 210 v. Chr. im punischen Krieg Cartagena (Neu-Karthago) zu erobern. Die gigantische Stadtmauer und die Türme sind aus dieser Zeit. Man baute Tempel, Forum und Prätorium, Amphitheater und gewiss auch Thermen und Stadtpaläste, wie überall in den römischen Metropolen.

45 v. Chr. erhob Julius Cäsar die Stadt zur "Colonia Julia Urbs triumphalis Tarraco" und der Aufstieg der Stadt begann.
Die Rennbahn entstand während der Regierungszeit Domitians um 90 n. Chr. Im Museum hängt ein großes Modellbild des römischen Tarraco.







Es ist schon etwas Besonderes, die Überreste des Circus maximus in Tarragona besichtigen zu können, denn die riesigen Rennbahnen wurden später in den meisten Städten abgerissen. Ein so langes Gebäude störte einfach nur bei der Bebauung im Mittelalter. Die spätere Bebauung wurde mittlerweile z. T. abgerissen, um die Überreste des Circus freizulegen.


Scheint so, als wolle man noch eine Menge der heruntergekommenen neuzeitlichen Gebäude abreißen, um den Circus in ganzer Länge oberirdisch sichtbar machen zu können. Unterirdisch kann man schon die Gänge und ehemaligen Räume besichtigen.

     
   


      

Außerdem hat sich ein Teil des Forums und der Turm des Prätoriums (auch "Castell del Rei") an der Placa Pallol (beim Museum) erhalten, der im Mittelalter zum Wohnturm ausgebaut wurde und wohl auch gelegentlich als Wohnsitz der aragonesischen Könige diente. Man sieht im Gemäuer sehr schön, dass überall Löcher für Deckenstützbalken oder Treppen eingeschlagen wurden. Der Prätoriumsturm wurde restauriert, enthält diverse Fundstücke, das Modell des mittelalterlichen Tarragona und vor allem hat man von dort einen wahnsinnig schönen Ausblick auf Stadt und Meer.



Selbstverständlich steht - wie eigentlich überall - die städtische Kathedrale auf den Fundamenten des einstigen Haupttempels Tarracos.





Prätoriumsturm
In der Umgebung von Tarragona hat man mittlerweile auch die Reste von römischen Villen ausgegraben, z. B. Els Munts in Altafulla, wo sich ein reicher römischer Bürger einen äußerst prächtigen Wohnsitz auf seinem Landgut errichtet hat. Werden wir bei einem künftigen Besuch der Region erkunden.
Im Museum sind allerdings viele Ausgrabungsfunde ausgestellt, die ich fotografiert habe.

Das Fußbodenmosaik aus einer Villa zeigt Fische so natur- und detailgetreu, dass das Museum sie auf einer Hinweistafel mit ihren biologischen Namen aufzeigt.






Lageramphoren, 1m - 1,50 hoch, wurden meist in die Kellererde eingegraben oder bildeten große Lager, die meist überdacht waren.

Die Reste in den Dolien wurden untersucht und man stellte fest: Es wurden Wein, Öl und Getreide in ihnen gelagert. Wahrscheinlich hat man, wie noch heute in ländlichen Gebieten des Mittelmeeraumes, Lorbeergrün obenauf in den Hals gesteckt (wehrt Ungeziefer ab) und dann den, zu jeder Dolie gehörenden, dichten Keramikdeckel aufgesetzt.



Worüber ich mich IMMER ärgere:

Die Katalanen sind ja sehr stolz auf ihre eigene Kultur und Sprache -sollen sie auch- aber nur 11 Millionen Einwohner hat Katalonien und da kann man ja wohl nicht erwarten, dass die ganze Welt Catalá lernt, um Museumsbeschriftungen und Museumsliteratur zu lesen.
Aus lauter Sturheit gibts das Ganze nicht mal auf Spanisch, das von mehr Menschen auf der Welt gesprochen wird als Englisch.

Naja... wer Spanisch und Französisch oder Latein kann, wird es großenteils entziffern können, aber bissi mehr sprachliche Kooperation, insbesondere auch bei Museumsliteratur, könnte schon sein!
Hat mich auch in der Emporion-Ausgrabung geärgert, dass es die Fachbücher dort NUR in Catalá, auf jeden Fall aber nicht in Deutsch, gab.

Richtig sauer war ich, als ich nach dem Museumrundgang gegen 17:50 Uhr noch ein sauteures und in Catalá geschriebenes Werk über die Iberische Kultur der Bronzezeit und den Museumführer kaufen wollte und die Kassenschnepfe mir keines mehr verkaufen wollte, weil ihr das nochmalige Zählen des Kasseninhaltes zu mühsam gewesen wäre - sie war nämlich schon dabei. Sie wollte sich durch mein Bitten und den Hinweis darauf, dass es noch keine 18 Uhr war, auch nicht erweichen lassen.
Für einen deutschen Touristen, der evtl. niemals wieder dort vorbei kommt, hätte man die 2 Beträge auch einfach noch dazu zählen können.

Badezimmerfliese aus einer der Villen


Fortunastatue


Füße von Statuen, Dokumente des frühen "Flip-Flops"und anderer Schuhbekleidung





Glasurnen als Bestattungsgefäße



Der "Pont de Diablo", die Teufelsbrücke, ist nichts anderes als der Rest des Aquäduktes, der Tarraco einst mit Trinkwasser versorgte.
Kurz vor dem Ende der A7 gibt es einen Extra-Parkplatz kurz vor der Ausfahrt nach Tarragona auf der Autobahn, von dem aus man den Aquädukt besichtigen kann.
Wer bei 30 Grad im Schatten Lust dazu hat, kann auch ins Tal hinunter steigen und sich das Monument von Nahem ansehen.



Der Triumphbogen von Barrá, zwischen den beiden Fahrspuren der N340 (ehemalige Via Augusta, die von Rom nach Cádiz führte), wurde zu Ehren von Lucius Licinius Sura, einem römischen Konsul, errichtet.







Dieser düstere Gewitterhimmel kündigte schon in Tarragona den Gewittersturm an, der später über Sitges und Barcelona niederging, mit massenhaft Regen und Hagel.

Zum Glück führt die Autobahn hinter den Hügeln um Barcelona herum und wir bekamen nur einen Hauch des Unwetter ab.

Nachdem die Küste und die Orte in der Ebene direkt hinter dem Küstengebirge erforscht wurden, geht es jetzt
etwas weiter ins Hinterland hinein.