Emporion - die antike Handelsmetropole
der Griechen und Römer





Jaaa... es ist nicht schwer nachzuvollziehen, warum die Griechen sich ausgerechnet hier
niedergelassen haben. Nicht nur der Naturhafen war praktisch, der "gran vista", der großartige
Ausblick, wird auch ein Grund gewesen sein. Und gleich hinter den Bäumen liegt
der Strand





Das Forum von Emporiae - rechts die "Ladenpassage", links hinten in der Ecke die Curia vom 
Capitoltempel-Podest aus fotografiert.

Ausgewanderte Griechen ließen sich um 575 vor Chr. auf der damaligen Insel/Halbinsel, auf der das heutige Sant Marti noch heute steht nieder und gründeten dort die "Palaiapolis". Schon um 550 v.Chr. gründeten sie ein Stück weiter östlich an der Mündung des Rio Fluviá eine neue Stadt, von den Archäologen "Neapolis" (Neustadt) genannt, die sich zu einer florierenden Handelsmetropole entwickelte. Die Mündungsbucht wurde damals mit einer Hafenmole befestigt.

Direkt oberhalb des Strandweges sieht man die griechischen Teile der Ausgrabung und vor dem Strand die Reste der ehemaligen Hafenkaimauer.




Hier klicken, um ein Video von der griechischen Kaimauer zu öffnen
                               

Weiter oben im Gelände haben im 1. vorchristlichen Jahrhundert die kommandierenden und wohlhabenderen Römer ihre Stadthäuser, eine grössere Thermenanlage und ein Amphitheater errichtet, sowie eine mächtige Stadtmauer gebaut. Später wurden Teile der Unterstadt mit christlichen Gabäuden überbaut.

Nach Zusammenbruch des Römischen Reiches und den Wirren der Völkerwanderungszeit wurde die Anlage als Steinbruch benutzt. Wenn man genauer hinsieht, findet man griechische und römisch bearbeitete Steine und Ziegel in den Grundmauern vieler Städte im Umkreis.

Am Eingang sollte man sich unbedingt die Sprechgeräte ausleihen, die einem in der durchnummerierten Grabung von einem Punkt zum nächsten erklären, was genau man eigentlich an altem Gemäuer vor sich hat.

Die Mittagszeit ist nicht der beste Zeitraum die Grabung zu besuchen, denn die Sonne bretzelt ganz ordentlich und die alten Gemäuer heizen sich ganz beträchtlich auf. Das auf dem Gelände befindliche Museum zeigt viele Funde aus der Grabung und bietet auch eine Multi-Media-Show zur Besiedlungsgeschichte des Handelspunktes.
Merkwürdigerweise sind alle Hinweistafeln in Catalá, Castellano, Französisch und Englisch beschriftet; das Bemerkenswerte: Nicht in Deutsch. Auch jede Menge Literatur wird im Museumsshop in diesen 4 Sprachen angeboten, manches, vor allem das fundamental wissenschaftliche, absolut NUR in Catalá. Ist das ein Hinweis darauf, dass sich deutsche Touristen kaum für die Historie der Region interessieren oder einfach nur Nachlässigkeit der Kulturanbieter?


Zumindest ausserhalb der Saison  ist innerhalb der Anlage ausreichend Parkraum vorgehalten. Zur Not kann man auch rechts vor dem Eingang zum Strandparkplatz runterfahren - Zeittarif - , und ist in der Saison gut ausgelastet. Eine andere Möglichkeit sind die Parkplätze (kostenpflichtig) direkt bei Sant Marti und man läuft über die Strand-Promenade zur Ausgrabung.

Aber - genug "geredet" - jetzt folgen die Bilder - erst vom griechischen Teil, dann vom römischen.

  
So sah der griech. Stadtteil (Neapolis) aus. Das rot eingezeichnete sind die Markierungen für die
Teile der griechischen Stadtmauer, die noch erhalten sind und rechts in gelb die Stoa/Agora.

 


Ausblick Richtung Strand


Genauer hinsehen und man erkennt das Grabungs-Schiff,
das meist irgendwo im griech.-römischen Hafenbereich ankert.

Ausblick von der Museumsterrasse
Die Muralla/griech. Stadtmauer
Das Verteidigungssystem der griech. Neapolis unterlag diversen Reformen, aber einige architektonische Beispiele aus den verschiedenen Phasen sind noch erhalten.

Im 3. Jh. wurde ein äußerer Schutzwall errichtet und im 2. Jh. wieder verändert und mit Türmen ausgestattet. Zwei Türme, die das Haupttor zur Stadt schützten und der Turm der Südwestecke sind noch in den Grundmauern erhalten.
In der Stadt, unter moderneren Strukturen, nahe der Akropolis, befinden sich noch Elemente aus dem 5. Jh.v.Chr. Im 4. Jh. wurde eine neue Abteilung mit Türmen und Graben errichtet,

die aber zu Gunsten einer neueren Mauer, die auch heute noch teilweise zu sehen ist, auch wieder weitgehend abgerissen wurde.




Das Asklepieion war ein religiöses und therapeutisches Zentrum, das dem griech. Gott der Heilkunst Asklepios geweiht war.









Das Heiligtum schließt eine religiöse Zone ein und ein Gebäude, das der Heilung der Kranken gewidmet war (abaton).

Dort sieht man auch den Altar, an dem man opferte und betete und Zeremonien für den Gott durchgeführt wurden.

 


Die Statue des Asklepios wurde 1909 in der großen Zisterne vor dem Tempel entdeckt.

Nach einem längeren Ausflug ins Museum von Barcelona, steht sie jetzt wieder im Museum vor Ort zur Besichtigung


Die Agora und Stoa waren sowohl politisches als auch wirtschaftliches Zentrum der griechischen Stadt; ein Treffpunkt der Verwaltung und des Handels, der unter Arkaden rund um die Agora stattfand.

2012 Hier wird gerade der Unterbau des griechischen Agora-Gebäudes ausgegraben und die Säulen gesichert.





Die Akropolis von Emporion













Das Serapieion stammt aus dem 1. Jh.v.Chr. Es ist ein Heiligtum für Isis und Serapis, das ägyptische Götter-Duo für Medizin und Gesundheit. Das Heiligtum wurde vermutlich von einem alexandrinischen Händler namens Noumas erbaut, der wohl geschäftlich in Emporion weilte.




Das Heiligtum hat einen rechteckigen Grundriss, umstanden von Portiken, an der Seite Treppenaufgänge, wo wohl die Statuen der Götter gestanden haben. Der Tempel war über einen Raum gebaut, der vermutlich als Empfangsraum für die Kranken oder als Sporthalle während der hellenistischen Periode gedient hatte.

Im Hintergrund der Kiosk, an dem man nach der "Trockenübung" in der glühenden Ausgrabung gemütlich einen Cortado und ein Wässerchen trinken kann.

Dort versuchte auch gerade eine Katze, im Rückwärtsgang wieder vom Baum zu kommen, den sie höchst optimistisch hoch gekrabbelt war, um ein paar Vögel zu erwischen.


Macellum - die griech. Markthalle





Die Häuser mit Atrium zeigen den Einfluss der italischen Architektur auf die griechische Stadt der hellenistischen Epoche.

Sie haben ein Atrium im zentralen Hof unter freiem Himmel, mit dem die unterirdischen Zisternen mit Wasser gespeist wurden. Außerdem erlaubte der Innenhof eine gute Beleuchtung und Belüftung der Innenräume. Im Hausinneren verteilen sich der Hauptraum (tablinum), der Speisesaal (triclinium) und die Schlafräume (cubicula). Einige dieser Häuser hatten zwei Stockwerke.

Haus mit Säuleninnenhof

Türschwelle mit Sitzen für die Drehangeln und Riegel




Die Einsalzungsfabrik mit mehreren Räumen diente der Herstellung von eingesalzenem Fisch und Fischsaucen. Das Gebäude besteht aus einem zentralen Hof, wo der Fisch bearbeitet wurde. Es gibt eine Reihe unterschiedlich großer, mit opus signinum (wasserfester Mörtel) verputzter Bassins, in denen die Fische eingelegt oder die Sossen gegoren wurden.


Wanne für die Einsalzung/Herstellung von Garum -
mit Originalputz im Sockelbereich

Außerdem gab es einen L-förmigen Lagerraum, in dem die Fischsaucen in Amphoren (aus einheimischer Produktion) gelagert wurden. Die Einsalzungsanlage wurde im 1. Jh. v. Chr. erbaut, als die griech. Neustadt schon ein zweitrangiger Stadtteil des römischen Emporiae war.

Schon die Griechen schmückten ihre Fussböden


mit Mosaiken

Das Regenwasser wurde in Zisternen gebunkert, die schon bei den Griechen, natürlich auch bei den Römern, wasserdicht verputzt waren. Der Verputz, wo noch vorhanden, ist heute noch dicht. Vorher wurde das Regenwasser aber noch gereinigt:

Doppelzisterne mit Durchgängen zum Reinigen
Wasser-Reinigungsanlage: Tonröhren, die mit einer Lage Kies, Sand und Holzkohle gefüllt waren und so erstmal die Schwebstoffe aus dem Wasser ausfilterte und es danach bakteriell reinigte, bevor es in die Zisternen floss.
 
Und wenn das Wasser verbraucht war, musste es ja auch irgendwohin. Schon das griechische Emporion, natürlich auch das römische, war mit einer Kanalisation ausgerüstet,

Römischer Ausgrabungsteil

Der römische Stadtteil bedeckt praktisch den ganzen Hügel oberhalb der griechischen Stadt. Bisher ist nur ein ganz kleiner Teil ausgegraben worden.
 Wie immer in der Archäologie fehlt es an Geld. Aber, alle Jahre gibt es doch etwas neues zu besichtigen. Zum Beispiel wurde die große Therme mittlerweile ausgegraben.

Mosaikfussböden, bunter, wahrscheinlich bemalter Verputz

Haus mit Impluvium und Zisternenanschluss


Römische Zisterne, der wasserdichtePutz hält noch heute


Wasserleitung, die fein säuberlich mit Abdecksteinen geschützt war.
Hier eine römische Abdeckung in der Nähe des Forums
 










Die bislang an der Südseite ausgegrabenen römischen Wohngebäude und Straßenteile zeigen ganz deutlich, dass der Lebensstandard sehr hoch war. Die Gebäude waren wirklich gross mit mehreren 100 qm Fläche. Die Räume waren mit Mosaiken ausgelegt, die von Raum zu Raum unterschiedliche Muster zeigen. Neben dem Gebäudeteil schlossen sich kleine Gemüse- und Nutzgärten an.



in der Mitte des Gebäudes ein Impluvium (Regenwassersammler), mit Säulen umstanden und damals wohl mit einem Wandelgang oder Blumenrabatte drumherum. Das Regenwasser floss in die Zisternen unter dem Gebäude.

                                       Hier eine Apsis im Gebäudeteil.











Strassenrest N-S Cardo maximus


Strasse mit Randsteinen



Zisterne




Auch hier hielt irgendwann das Christentum Einzug und ein Haus würde in der Spätantike mit einer christlichen Basilika überbaut.



  
Srasse zum Forum hin




Hier am Strassenrand ist das Haus mit großen Ziegeln abgegrenzt


Die Thermen waren ein wichtiges Element des Lebensstils der Antike. Sie war nötig für die persönliche Hygiene, aber auch Treffpunkt des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens.


Die Thermen bestehen aus dem Caldarium (Warmwasserraum), dem Tepidarium, ein Raum für mittlere Temperaturen, dem Frigidarium (Kaltwasserraum) und dem Sudatorium (dem Schwitzbad/Sauna). Es schließen sich Räume an für die Körperertüchtigung (Palestra), Lagerräume, öffentliche Latrinen. Die Wasserzufuhr erfolgte über eine Wasserleitung die über 27m unterirdisch in den Fels getrieben wurde.



Hypocaustum der Thermen


Brennkammer für die Heizung

Therme - Aufenthaltsraum mit Brunnenschale



Die halbflüggen Jungmöwen waren von ihrer Mövenmutter auch
 hier in Emporion "geparkt"


Wir waren wirklich froh, als die Ende Juni endlich mit dem Brüten und Füttern fertig waren und die Flachdächer verliessen, wo sie uns jeden Morgen bei Sonnenaufgang mit ihrem Geschrei geweckt haben.
Das Forum war das politische, religiöse und wirtschaftliche Zentrum einer römischen Stadt und der Ort, an dem die wichtigsten öffentlichen Gebäude um einen großen Platz herum errichtet waren. Der Platz war von drei Seiten her durch Durchgänge erreichbar. Säulen stützten die Gebäudevordächer der Tempel, Verwaltungsgebäude und Läden.

An der Nordseite fand sich der Haupttempel, der der göttlichen Trias, Jupiter, Juno und Minerva, bzw. dem Kaiser, geweiht war.
Daneben gibt es eine Reihe kleinerer Tempel für verschiedene Götter. Der heilige Bezirk war durch ein U-förmiges, zweistöckiges Gebäude abgeschlossen.

Im östlichen Abschnitt befanden sich die Gebäude der Stadtverwaltung/Stadtrat (curia), die basilica (Justizangelegenheiten); im Westen und Süden fanden sich eine Reihe von Lokalen und Herbergen (tabernae), die sich zu den Begrenzungsstraßen des Forums öffneten.


Forums-Rekonstruktion



Sicht auf den Haupttempel



Forumsplatz (area)




hohe, massive Säulen machen einen "schlanken Fuss" *lach*





Forumecke mit Säulen




Im Jahr 2012 fanden wir den Forumsbereich bereits teilrekonstruiert vor. Portikus und Kryptoportikus sind begehbar. In der Mitte des Nordbereiches der Haupttempel, daneben gab es in Emporion noch Nebentempel. Im Hintergrund lief der Forumsbereich mit 3-flügeliger Säulenhalle (porticus) darum herum, darunter der hier unsichtbare Kryptoportikus aus dem 1. Jh nC













Die Platform des Capitol-Tempels


Nebentempel mit mittigem Altar








die Westseite des Forums mit der Ladenzeile



Da wo die Fussböden noch erhalten sind, sieht man die
unterschiedlichen Bodenbeläge - mal im Rautenraster


mal quadratisch verlegte Marmorfliesen


oder ein geometrisches Mosaik


Stadtmauer, nach römischen Prinzip erst gemauert und dann mit Beton gefüllt.





In den Schwellen des Stadttores kann man die Fahrrinnen
erkennen, die die Karrenräder über die Jahre erzeugt haben.

Direkt neben dem Stadttor ein Phallussymbol zur
Abschreckung böser Geister und als Glücksbringer.




Im 1. Jh.v.Chr. vor den Stadtmauern erbaut -das Amphitheater. Auf den Sitzreihen aus Holz fanden 3300 Menschen Platz. In der zentralen Arena fanden Gladiatorenkämpfe und Tierjagden statt.
In der Nähe des Amphitheaters, war an der Außenmauer der Stadtmauer ein 111x68m großes Gebäude angebaut, die im 1. Jh.v.Chr. errichtete Palestra, die der römischen Jugend zum Training diente. In der Stadtmauer kann man die regelmässigen Einstecklöcher für die Dachbalken erkennen.

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Reste des üblichen Fussboden (Terrazzo)
Und nicht zu vergessen - der eigentliche Zweck Emporions: Der Handel übers Meer und natürlich der dazu gehörige Hafen. Ursprünglich war die Senke hinter dem Museum ein Naturhafen im Mündungsgebiet des Rio Fluvia - heute verlandet.

Hafenbebauung



Draußen sicherte eine hohe Kaimauer den Hafenbereich ab





Treppe zum Hafenbereich hinunter






Vor der Südseite des Forums



Häuserreste jenseits des Forums


Emporion Museum vom römischen Teil aus fotografiert
Das Museum






Museum Emporion - Altarstein Vorder- und Rückseite

Original-Asklepiusstatue


die elegante griechische/römische Sandale




Mosaiken


Öllampen





fein dekoriertes Friesstueck





Haupthandelsverbindungen von und nach Emporion

Mosaik




Trinkhörner in Phallusform - na, da fällt uns bestimmt auch der Wunsch desjenigen ein, der das Trinkopfer darbrachte.

stark stilisierte Statue


Dieses Hermen-Duo zierte bestimmt einmal einen noblen Eingangsbereich



die "Barbie" der Antike


Seitenteil eines Marmorsessels



feine, kleine Glasflaeschchen




                                                       Schmuck






Verputzfresko

römische Verkehrsverbindungen in Katalonien

Es gibt einen Museumsshop, der mit allerlei Souveniers handelt, T-Shirts mit archäologischen Motiven z. B., aber auch gute archäologische Publikationen in mehreren Sprachen (meist allerdings gerade nicht auf Deutsch) und Monografien (in Catalá) werden verkauft. Da muss man sich als interessierter Mensch evtl. mehrsprachig durcharbeiten.





Und ein antiker Drehwasserhahn, so bis in die Neuzeit hergestellt und auch anderswo gefunden