Boppard/Bodobrica

Boppards Besiedlungsgeschichte geht mindestens bis in die Zeit vor dem Ausbruch des Laacher Sees zurück, der vor ungefähr 13000 geschah. Unter den im Rheintal eher geringen Ascheablagerungen des Vulkanausbruches fanden sich in Boppard Reste der sogenannten Federmesserkultur. Seit mindestens keltischer Zeit ist Bodobrica wieder besiedelt. Der Ortsname ist keltischen Ursprungs. Im Bereich der "Alten Burg" unterhalb der Sesselbahn hat es eine keltisch-treverische Siedlung gegeben, denn unterhalb des Hanges gab es vereinzelte Funde aus der Ära der Höhensiedlungen. Auf dem Mündungsschwemmhügel am Ausgang des Mühltbachales hat man römische Funde ausgegraben. Später stand hier die mittelalterliche Königsburg.


Hier wurde u. a. Epona verehrt, deren Statue im Bereich des heutigen Parkplatzes vor dem Mühltal ausgegraben und deren Kopie an der Eisenbahnbrücke am Mühltaleingang angebracht wurde. Der Getränkemarkt am Mühltaleingang hat sich nach Epona benannt.


Statuette des Apollo aus dem römischen Vicus von Boppard 1.-2. JH

Man vermutet, dass es in der großen Rheinschleife damals eine Furt und/oder Fähre gegeben hat, die den Handelsaustausch mit dem rechtsrheinisch-germanischen Gebiet erlaubte, ungefähr direkt in der Rheinschleife zwischen Filsen und dem Mühltal. Zudem war die Verkehrsanbindung über den Rhein nach Norden und Süden hin die Haupthandelsroute. Der allgemeine Flussverkehr und die Fischerei wurden wohl mit kleinen und großen Flachbooten erledigt, deren Tradition als "Rheinnachen" bis in die Neuzeit reichte.
Der Handelsweg in Boppard ging vom Rhein aus über die heutige Kirchstrasse, Angert, (Kastellmauer) Richtung Proffen/Marienberg, Simmerner Str. in den Hunsrück und zur Mosel. Außerdem über das Mühltal und über das Peternacher Tal über den Hunsrück nach Koblenz - der Weg war viel kürzer als der durch das Rheintal und auch deutlich trockener zu manchen Jahreszeiten.



Confluentes/Koblenz war über den Höhenweg über den Kühkopf und am Remstecken vorbei in 8 Leugen erreichbar. Auch wenn der Weg am Anfang steil anstieg, kürzte man den Weg um mehr als die Hälfte nach Koblenz ab, um dann weitere Wege in die Vordereifel nach Rübenach/Rufiniacum, Ochtendung oder nach Kaisersesch, oder Richtung Trier ins zentrale Gallien zu nehmen.
Die nördliche Route am Rhein vorbei führte über Weißenthurm nach Köln. Eine weitere Route über KO-Metternich/Matriniacum über die Karmelenberghöfe, eine andere zur Drei-Tonnengruppe nach Saffig, Ochtendung, Polch weiter in die Eifel oder wieder Richtung Köln.
Am Remstecken, an der Hunsrückhöhenstraße, hat man eine größere Villa rustica gefunden, auf der anderen Straßenseite ein Gräbermonument, weiter einen Merkur/Rosmerthatempel auf der Höhe (samt Herbergs- und Priesterunterkünfte) . Dazu mehr auf der Villa-Remstecken-Seite.
Bodobriga war also ein Knotenpunkt der Handelswege vom Mittelrhein in den Hunsrück.



typische Hauptstrasse eines vicus - vorne die Wohngebäude mit Laden zur Strasse hin;
rückwärtig schliessen sich Hühnerhof, Schweinezucht, Ställe und Gemüsegärten an


Im Zuge der Eroberung Galliens durch Iulius Cäsar und der anschließenden römischen Übernahme und Besiedlung des linksrheinischen Gebiets wurde der Vicus Bodobriga (Baudobriga, Bontobrica) am Eingangsbereich zum Mühltal neben der Römerstraße (der heutigen B9) ausgebaut..
Unter dem römischen Kaiser Claudius (41-54 n. Chr.) wurde im Zuge des Ausbaus der am Rhein entlang führenden Heerstraße eine Reihe von Befestigungsanlagen angelegt. In Boppard entstand vermutlich Anfang des 1. JhnChr zunächst eine mit Graben, Erdwall und Palisadenwand befestigte Anlage, ein so genannter Burgus, auf der freien Fläche in der Nähe der keltischen Siedlung am Mühlbach. Die Einheimischen verlegten ihre Handwerks- und Wohnhäuser nach und nach in die Nähe des Erdkastells, bzw. an die jetzt stärker von Militär und Handel frequentierte Hauptstraße. Es entstand ein neuer vicus, eine offene Straßensiedlung. Der neue Vicus behielt wohl seinen keltischen Siedlungsnamen „Bodobrica“ bei.

 
die Rekonstruktion einer Ladenstrasse in Pompeji

 
und eine Computeranimation, wie wohl eine städtische Ladenstrasse
in einer wohlhabenden Stadt wie Trier ausgesehen haben mag

So sahen sie übrigens - mal mehr, mal weniger prächtig ausgebaut -
überall im römischen Reich aus, immer mit Vorbau, dahinter eine
Werkstatt und/oder Verkaufsladen, fast immer eine befestigte Straßendecke


Nach den ersten Germaneneinfällen Ende des 3. Jahrhunderts beschloss Kaiser Diokletian während seiner Oberherrschaft, die Legionen von 6000 auf 2000 Mann zu verkleinern und Reiterei-Einheiten abzuschaffen. Es entstand ein beweglicheres und flexibler einsetzbares Heer. Neue Truppenlager wurden an den Grenzen errichtet oder umgebaut und mit Mauern und Türmen befestigt. Die Befehlshaber dieser Einheiten entstammten dem römischen Ritterstand (equites). Ritter wurden nun regelmäßig in den Senatorenstand aufgenommen. Die Stände verschmolzen miteinander. Die Provinzen wurden neu geschnitten.


Ziegelei

Es gibt keine genauen Überlieferungen, wann mit dem Bau des gemauerten, neuen Kastells in Boppard begonnen wurde. Im Kastellbad von Boppard wurden Ziegel und Ziegelstempel der 22. Legion (die in Mainz stationiert war) und Münzen gefunden, die eine Datierung des Baues bis spätestens 352-355 vermuten lassen, denn die 22. Legion wurde 351 komplett an die Ostfront des Reiches geschickt. Also sollte die ganze Anlage früher errichtet worden sein. Die Fachwelt ist sich über den Baubeginn nicht einig. MEINE - ich hoffe logische - Vermutung, die sich an der bekannten Historie orientiert, tendiert dahin, dass schon unter Diokletian die Entscheidung dazu gefallen sein sollte.
 
Die Erbfolgekriege nach Diokletians Abdankung haben bestimmt verhindert, dass die Bauarbeiten konstant weiter gehen konnten, denn die Truppen waren anderweitig mit Kriegsspielchen beschäftigt. Als die Machtlage endlich geklärt und alle Konkurrenten um die Macht erledigt waren, führte Konstantin II, d. Große den Plan zur Befestigung der Standorte weiter. Denn Konstantin hat die Umgestaltung des Heeres, die schon von seinem Vater begonnen wurde, fortgeführt. Statt an den Standorten große Legionen zu postieren, zog er große Teile seiner Truppen von den Kastellstandorten ab und formte ein Bewegungsheer, das je nach Bedarf flexibel eingesetzt werden sollte. Außerdem gründete er seine eigene Bedeckung in Trier, die Palastgarde/Prätorianer, die ausschließlich aus Germanen bestand, weil Konstantin seinem eigenen Militär - in senatorische Machtspielchen verstrickt - nicht traute.

Logischerweise musste er seine Kastelle jetzt anderweitig schützen, wenn nur noch eine relativ kleine (600-1000 Mann) -vielleicht auch wechselnde Besatzung- vor Ort blieb, zumal 328/329 die Germanen wieder mit Plünderungszügen begonnen hatten. Also kann man annehmen, dass Konstantin die Wiederaufnahme der Bauarbeiten an den Kastellen am Rhein befohlen hat oder den Befehl gab, sie zu Ende zu führen. Als Julian um 359 die Kastelle renovieren liess, waren sie definitiv schon mit Mauern und Türmen versehen und schon ein paar Jährchen alt. Der Ausbau der Standorte wird also zwischen 320 und 350 stattgefunden haben. Den Bau des Bopparder Kastells habe ich im Roman um 340 angesiedelt.
 
Das Kastell unterstand dem Oberbefehlshaber (dux) in Mainz. Die militärische Besatzung der Rheinkastelle wurde um die Jahrhundertwende abgezogen, wegen der bürgerkriegsähnlichen Kriegszüge der Konstantinnachfolger gegeneinander und zudem im Krieg mit den Persern im Osten des Reiches eingesetzt. Was vom östlichen Kaiser wohl auch genau SO beabsichtigt worden war, um den innerrömischen Gegner in einen Zweifrontenkrieg zu verwickeln. Diese Chance nutzen die germanische Stämme zu Silvester 406/407 und überschritten den zugefrorenen Rhein südlich von Mainz zu Plünderungszügen in Gallien.

Man kann sich vorstellen, dass die reicheren Römer aus Senatoren- und Ritterstand sich aus der nun ungesicherten Region verzogen und sich auf ihre Güter weiter südlich im Reich in Sicherheit gebracht haben. Die keltischstämmige und romanisierten Einwohner, sowie die Veteranen, die keinen anderen Landbesitz hatten, werden sich im Schutz der Kastellmauern gegen die Überfälle und Plünderungszüge zu schützen versucht, eine militärische Restverteidigung und die zivile Verwaltung aufrecht erhalten haben. Bis 424 ist die Anwesenheit römisch ausgerüsteter Truppen in Boppard nachgewiesen. Eine Brandstelle lässt sich ca. ins Jahr 370 in den Thermen nachweisen. Man hat jedoch nicht herausgefunden, ob sie durch kriegerische Einwirkung entstand oder ob es aus "normalen" Gründen zu einem Brand gekommen ist. Meine Idee dazu wird im Roman auftauchen. Insgesamt hat Boppard die Zeit gut überstanden.
 
Die Christianisierung machte auch in Boppard Fortschritte. Nachdem das römische Reich endgültig gefallen und die Franken regional die Macht übernommen hatten, wurde die ehemalige große „Sport“halle, die Palästra der Thermen, in eine Kirche verwandelt und der vermutlich gleich daneben vorhandene Tempel abgerissen. Auch hier habe ich eine eigene Theorie. Vielleicht liegen die Reste seiner Grundmauern noch verborgen weiter östlich unter dem Marktplatz. Nach Abzug der Römer bildete sich in Boppard ein fränkischer Königshof aus und die Stadt wurde Verwaltungszentrum des Bopparder Reiches.

Kastell, Kastellmauer und Militär
 


Das - meiner Datierung nach um 330-340 erbaute Kastell - wird im Mainzer Dukat als „milites balistarii“ bezeichnet, hat 308x154m Fläche, besteht aus 28 Rundtürmen mit jeweils 27 m Wehrmauer dazwischen. Auf Grund der Größe von knapp 5 Ha wird es wahrscheinlich eine cohors quingenaria peditata (ca. 1000 Mann Infanterie) beherbergt haben. Da auch die Franken und Germanen Schleudern und Feuerbomben benutzen, ist es wahrscheinlich, dass die Türme Spitzdächer mit Schiefer/Schindelabdeckung hatten, um die Geschosse wirksam abrutschen zu lassen.

Hier eine Kastellanimation (Sendung Rom am Rhein), die ich vom TV abfotografiert habe. Die Lage entspricht in etwa dem des Bopparder Kastells direkt am Rhein.

                   Westen                                                                                                                           Norden


                 Süden                                                                                                                                  Osten

Die Römerstrasse verlief vor der Südseite (ungefähr wie die heutige B9-Umgehung). Das gemauerte Kastell wurde komplett neu außerhalb des Mühltalstandortes, nördlich der Römerstraße direkt am Rhein auf freiem Gelände errichtet. Die Westfront bildete die heutige Karmeliterstrasse, die vermutlich ein Festungsgraben/Spitzgraben war.
Die Ostseite der Kastellmauer, die heute durch die Bebauung verläuft, kann man als Mauerrest von der Burgstrasse aus besichtigen. Die Südseite zieht sich ungefähr von oberes Ende Kirchgasse/Angert quer durch die dortige Häuserreihe bis auf Höhe des Hauses östlich der Evangelischen Kirche/Angert und weiter bis zum heutigen Pennymarkt.

Man streitet sich noch vehement unter den Wissenschaftlern, ob das Kastell eine West-Ost-Straße und entsprechende Tore hatte. Die Längs-Kastellstraße (cardo maximus) wäre jedenfalls ganz passend die heutige Oberstraße, die bis zum Bau der Umgehungsstraße auch die B9-Hauptverkehrsstraße von Boppard gewesen ist. Die Querachse bildete immer die via Principialis (in Boppard vom Kronentor aus die Steinstrasse hoch, an der Westseite des Marktes entlang). Soweit ich das mitbekommen habe, tendiert man heute dazu, dass die Oberstraße das Kastell tatsächlich längs teilte. Am Ende der Fussgängerzone (Brockamp/Penny) hat man Reste von Toranlagen gefunden. Die Theorie ist also plausibel.
Am Westende, heutige Ecke Karmeliterstraße/B9, jetzt Tiefgarage an der Stadtverwaltung, zeigte die Ausgrabung 2011 zunächst fränkische Gräber, aber... wie von mir genau hier vermutet, auch die Reste eines römischen Streifenhauses aus dem 1. Jh n.Chr. Diese frühe Datierung weit vor dem Kastellbau beweist, dass das Kastell nicht nur einfach auf freiem Gelände errichtet wurde; sondern dass es vor Ort schon eine frühe Bebauung gegeben hatte.

Die Nord-Süd-Durchquerung des Kastells ist heute ungefähr die Trasse Kirchgasse/Kronengasse, die von Süden nach Norden an der westlichen Seite des Marktplatzes entlang verläuft. Ein großes Süd- oder Nordtor hat es wohl nicht gegeben; das wäre der Verteidigung auch abträglich gewesen.
Es gab an der Angertseite einen Kanaldurchlass für die Wasserzuführung zur Therme. Der war aller Wahrscheinlichkeit mit armdicken Gitterstäben gesichert.

Vermutlich gab es ebenfalls einen Versorgungsdurchlass durch die Kastellmauer zum Rhein hin, wahrscheinlich dort, wo heute das Kronentor Zugang zur Rheinpromenade gewährt und seit dem Mittelalter auch der Kran auf der heutigen Promenadenausbuchtung vor dem Hotel Spiegel stand. Man wird kaum um das ganze Kastell herum gelaufen sein, um Militärt- und Versorgunsgstransporte ein- oder auszuladen, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass der Rhein der Haupttransportweg für alle Güter war. Man kann eine Hafenanlage unter der heutigen Promenade vermuten. In Andernach hat man 2012/13 jedenfalls eine Hafenanlage gefunden, also wird Boppard ähnlich ausgestattet gewesen sein. Boppard wurde noch im Mittelalter wegen seiner hervorragend ruhigen Strömung als guter Hafen gelobt. Vor der rheinseitigen Kastellmauer befanden sich vermutlich Bootsanleger, Werftgelände, Fischerkaten, Tavernen. Der Uferbereich war damals unbefestigt und bot noch Platz für allerlei handwerkliche Arbeiten.

Vom spätrömischen Kastell Bodobrica sind einige Mauern und Türme im Ortsbild erhalten. Insbesondere wurde die Mauer am Angert/Kirchgasse/Stierstall gesichert. Ein großer Teil der stehenden Mauer ist im oberen Bereich mittelalterliche Befestigung. Allerdings kann man auch gut die großen, angeschrägten Steine direkt über der Grasnarbe und darüber die viereckigen Steine erkennen. Und DIE sind immer römisch.

Allerdings fällt hier und da der originale römische Mörtel aus der Mauer; da müsste die Stadt ein paar Euro springen lassen für Sicherungsmaßnahmen.


Steinstraße Rückseite des Parkplatzes

Römische Turmreste sind im Rundgang sichtbar vom Angert aus links vom evangelischen Pfarrhaus, hier auch mittelalterliche Außensanierung über den römischen Resten.


 
Unterhalb der B9 in der Burgstrasse 2x die Rückwände der Parkplätze:
Hier sieht man große Steinblöcke in Zweitverwendung, z.B. von alten Grabmonumenten und darunter römisches Mauerwerk. Die schräg stehenden Steine wurden wohl mit zu festem Mörtel verbunden, der nicht flüssig genug war, um in die Fugen ganz einzusickern. Auch hier verwendeten die Römer die Technik, Bruchsteine mit Zement zu verbinden und nur die Außenseiten mit Maßsteinen zu verblenden. Und schlampige Arbeit gab es schon immer!





hier war der Mörtel flüssiger und hat die Bruchsteine gut miteinander verbunden


Um die Ecke herum, am Restaurant Römerburg linke Hauswand.

Dort ist das original im Boden erhaltene Turmfundament durch ein Pflasterrondell markiert.
Zum original römischen Mauerwerk zählen immer die hübsch eckigen Steine. Darüber wurde meist mittelalterlich und neuzeitlich "renoviert".

Wenn man im Bopparder Ortskern, z. B. am Marktplatz genau hinsieht, ist oftmals eine markant andere Pflasterart verlegt, die die vermutlichen oder ergrabenen Verläufe der Kastellmauer oder die Türme kennzeichnen.
  Die Mauern waren 3 m dick, rheinseitig 2 m. Rheinseitig gab es wahrscheinlich keine Türme, da von der Wasserfront her keine massenhaften Angriffe zu erwarten waren. Die Rheinfront wurde zudem von römischen Patrouillen-schiffen gesichert.

Das architektonische Aufbau der Kastellmauer: Die Grundmauern bestehen aus Geröll zur Drainage, Grauwacke als Außen- und Innengemäuer und für die Füllung aus Gußmauerwerk, also mit viel Mörtel und Bruchstein verfüllt. Leider hat noch niemand eine Untersuchung veranlasst, die die Herkunft des Baumaterials erkennbar macht. Die Grauwacke hat je nach Steinbruch unterschiedliche Konsistenz und Farbe, das wäre doch eigentlich interessant zu wissen. Vermutet wird vielleicht ein Grauwackeabbau bei Oberwesel/Volsovia, weil man die Steine von dort aus direkt vom Hang am Ufer einladen und nach Boppard zur Baustelle verschiffen konnte oder aus dem sogenannten "Rattenloch" in einer Kurve der Buchholzer Str. Da die Römer immer auf Effektivität aus waren, habe ich den Rheintransport in meinem Roman bevorzugt. Mit Ochsenkarren die steile Buchholzer Str. hoch und wieder runter und in Anbetracht auch der Mengen des benötigten Baumaterials, erscheint mir diese Lösung viel eleganter.

Die Römer haben sich für die Errichtung der Grundmauern ihrer Kastelltürme durch die Flussandschichten bis auf den Kiesgrund gegraben, um festen Boden zu bekommen. Wer in der Karmeliterstrasse die beiden Rekonstruktionen der Türme betrachtet bemerkt, dass das Straßenniveau von der B9 bis zum Rhein hin ca. 8m Höhenunterschied hat. Dieser Niveausprung zeigt sich auch besonders auch von der B9 die Burgstraße hinunter. Wobei man wohl ca. 3m moderne Niveauerhöhung durch immer wieder stattgefundene Überbauung abziehen muss - die alte Römerstrasse liegt heute ca. 3,14m unterhalb der heutigen Fussgängerzone, also war der Unterschied damals nicht so drastisch.
Es geht die Theorie, dass das Kastellinnere evtl. auf zwei Ebenen bebaut gewesen sein könnte, also evtl. mit einer Niveaubefestigung ungefähr entlang der heutigen Fussgängerzone -und damaliger Kastellstrasse- durch eine Mauer, evtl. mit Treppen oder Rampenverbindungen. Der Höhenunterschied ist auf dem Marktplatz aber nicht so drastisch. Evtl. hat man zum Karmelitergraben hin innerhalb des Kastells Boden für die Komandatur aufgeschüttet, um ein gleichmässiges Niveau zu bekommen? Noch ist nichts Genaues ergraben.
Definitiv stand die rheinseitige Kastellmauer so weit vom Rheinufer entfernt (siehe so genannte, noch immer nicht eröffnete, rostig designte Touristeninfo in der Karmeliterstrasse), die dort den Turm kennzeichnet, dass man während der normalen Hochwasserphasen im Trockenen blieb.

In den Türmen wurden in Altgrabungen Ziegelreste gefunden. Leider sind die damals archäologisch nicht gesichert worden. Aller Wahrscheinlichkeit nach waren die Türme mit Schiefer abgedeckt. Die alten Rekonstruktionszeichnungen mit Zinnen und offenen Türmen sind altertümliche Vorstellungen. Die Türme waren auch nur von Innen über die Wehrmauer betretbar und hatten keine Tore. Die Bedeckung mit Schiefer ist wahrscheinlich, weil das Material vor Ort verfügbar war und den Zweck voll erfüllte.

Auf Grund der balistarrii-Bezeichnung ist folgende Bewaffnung des Kastells zu vermuten:
Nur die Legionen verfügten über Geschütze, mit denen Steinkugeln, Brandpfeile und Bolzen verschossen werden konnten. Die Schusskraft wurde dadurch erreicht, daß die beiden Arme eines Geschützes in Spannsehnenbündel eingespannt waren und durch Auslösen des Mechanismus in ihre ursprüngliche Lage wieder nach vorn schnellten. Hierdurch wurde das Geschoß vorwärts getrieben. Es gab zweiarmige Flachbahngeschütze (catapulta) und auch zweiarmige Steilfeuergeschütze (ballista). Die Geschütze wurden entweder mitgeführt oder als Festungsgeschütze auf den Mauern belassen. Sie wurden hauptsächlich gegen angreifende Mannschaften zur Vereidigung eingesetzt, denn mit ihnen konnten keine Breschen in Mauern geschlagen werden. Außerdem dienten sie zum Schleudern von Brandpfeilen in feindliche Stellungen.
 
Bolzenschussgerät




Das Feldzeichen der Legion war der Legionsadler (aquila). Daneben war das Kaiserbildnis (imago) Zentrum des Kaiserkultes. Die Manipel und die Centurien einer Legion besaßen ebenfalls Feldzeichen, genau wie wir das für die einzelnen Kohorten der Legion annehmen können.


Principa von der Saalburg


Die principia bildete das militärische und organisatorische Lagerzentrum. Sie hatte verwaltungstechnische und kultische Aufgaben. Meist lag zur via principalis hin eine Vorhalle, die für Versammlungen und zum Exerzieren benutzt wurde. Dahinter befand sich ein Innenhof, an den sich eine Querhalle (basilica) mit (in Auxiliarlagern meist fünf) Räumen anschloß. Im mittleren Teil befanden sich das Fahnenheiligtum (aedes) mit den Feldzeichen (signa, vexilla), den Truppenaltären und dem Kaiserbildniss. Im Kellerbereich darunter bewahrte man die Truppenkasse auf. Bei den anderen Räumen handelte es sich um Diensträume, z. B. von Schreibern (tabularia) oder Fahnenträgern (signifer). Dazu kamen noch die armamentaria, die Waffenräume, die auch an den beiden Seiten längs des Innenhofs angeordnet sein konnten. Im Innenhof selbst befand sich auf einem Podest das Tribunal, von dem aus Ansprachen gehalten und Befehle ausgegeben wurden.


Fahnenheiligtum der Saalburg
  
Das Wohnhaus des Kommandanten, das praetorium, war meist nach dem Schema der mediterranen Peristylvillen angelegt und befand sich in der Regel in Legionslagern hinter der principia, in Auxiliarkastellen rechts daneben. Die Befehlshaber stammten meist aus dem senatorischen oder dem Ritterstand und wollten angemessen untergebracht sein.
Die Soldaten selbst waren in Mannschaftsbarracken, den centuria, untergebracht (Abb. 5). Diese bestanden aus zehn Mannschaftsräumen (contubernia) mit je einem Wohn/Schlafraum, ausgestattet mit einem Herd sowie einem Vorraum, um die Ausrüstung unterzubringen. Am Kopfende eines Barrackengebäudes lag der vergleichweise große, quadratische Wohnbereich des centurio.

 
Die Dinge, die der Soldat unbedingt brauchte, mußte er auf dem Marsch selbst tragen (können). Dazu gehörten neben den Waffen noch Werkzeug, Kochgeschirr und eine eiserne Essensration. Je nach Auftrag kamen noch ein oder mehrere Schanzpfähle hinzu. Die Traglast wog ca. 20-30 Kilogramm und wurde an einer Stange auf der Schulter mitgeführt. Die Centurien waren in Gruppen à 8 Mann aufgeteilt. Jede Gruppe schlief zusammen entweder in einer Stube (contubernium) oder in einem Zelt. Die antiken Zelte waren steilwandig mit einer Grundfläche von ca. 3 x 3 Metern. Jedes contubernium hatte ein Tragtier zum Transport schwererer Gepäckstücke. Zusätzlich standen noch Wagen zur Verfügung, auf denen Verpflegung, schweres Schanzgerät usw. mitgeführt wurden. Für diese Lastwagen gab es eigene Remisen im Bereich der Lagerstraßen und für die Tiere Ställe (stabula). Dazu kamen weitere Gebäude: Speicherbauten (horrea; z. B. für Getreide), Lazarette (valetudinaro), ein Optio war Lazarettvorstand, Werkstätten (fabricae), Latrinen und Bäder innerhalb oder außerhalb des Lagers.
Wenn tatsächlich jedes Contubernium ein Maultier oder Transportesel hatte, kamen da rund 100 Tiere zusammen, die untergebracht und gefüttert werden mussten, dazu noch die Reitpferde der Kommandanten.

Man glaubt nachweisen zu können, dass am Mittelrhein überwiegend Truppen stationiert waren, die in Nord- und Mittelspanien ausgehoben worden waren. In den 400 Jahren römischer Besatzung sind aber auch Soldaten aus allen anderen Reichsteilen - aus dem heutigen Rumänien, Balkan, Nordafrika, Italien und Palästina -  "vorbei gekommen", vor allem während der jeweiligen Bürgerkriege um die Kaisernachfolgen. Dies beweisen viele Grabsteine mit entsprechenden Hinweisen auf die Herkunft der Legionäre und Hilfstruppen.

Nach 25 Jahren hatten römische Soldaten ihren Dienst erfüllt und erlangten das Bürgerrecht durch Anschlag ihrer Namen auf einer Urkunde an der Säule der Minerva in Rom. Die Urkunde wurde von sieben Zeugen unterzeichnet. Jedem Soldaten wurde eine Abschrift zugestellt. Mit dieser Urkunde war er ab diesem Zeitpunkt ein Bürger Roms, durfte endlich offiziell  heiraten und seine Nachkommen waren automatisch römische Bürger. Später sind keine Urkunden mehr überliefert, wohl aus dem Grunde, weil das Bürgerrecht für alle Menschen auf römischem Staatsboden eingeführt wurde. Der Soldatenstand wurde erblich und die Söhne von Veteranen zum Truppendiest verpflichtet. Allerdings erhielten die Veteranen auch einige Steuervorteile.

Die Soldaten durften während ihrer Dienstzeit zwar nicht heiraten, hatten aber meist Familien in den umliegenden cannabae und vici. Schon aus diesem Grund dürfte man in Mitteleuropa einen Genpool haben, der sich aus dem ehemaligen römischen Reich rund ums Mittelmeer - im wahrsten Sinne des Wortes - rekrutiert hat. Jede rassistische Anwandlung stößt damit, insbesondere inerhalb der damaligen Grenzen des römischen Imperiums, ins Leere.

In Friedenszeiten wurden die Soldaten zu Arbeiten für die Allgemeinheit herangezogen: Ziegel brennen (weshalb Ziegel meist den Stempel einer Legion als Herstellungsmarke tragen), Straßen und Brücken bauen, Wasserleitungen und Aquädukte errichten (Vexillationes – Legionssoldaten, die für Spezialaufgaben abgestellt werden).
 
Der legatus Augusti pro praetore (Prätor) ist der kaiserl. Generalgouverneur bzw. ist der offizelle Titel des Statthalters, der nach dem Konsul der höchste Beamte und Chef der Militär- und Zivilverwaltung mit oberster richterlicher Gewalt ausgestattet war. Nur Mitglieder des ordo senatorius oder des Kaiserhauses erhielten diesen Rang.
 
 
Die Thermen:

Kaum ein Bopparder erinnert sich an die großartigen Funde und kein Tourist wird auf die Thermenanlage aufmerksam gemacht, die sich nur Zentimeter unter dem Pflaster des Marktplatzes befindet. Es gibt es auch keine Hinweistafeln oder Fotos von den antiken Funden. Die Dokumentations-Fotos der archäologischen Ausgrabung hat damals der Fotograf Klein aus Boppard gemacht. Leider sind die Originalfotos angeblich momentan nicht aufzufinden; wahr ist wohl, das sie nicht veröffentlicht werden, bevor diese alte Ausgrabung publiziert ist.  Allerdings hatte die Koblenzer Denkmalpflege noch einen alten Tafelband im Schrank stehen, worin ein paar der Originalgrabungsfotos abgebildet waren (allerdings auf schlechter Papierqualität). Damit müssen wir uns bis auf Weiteres begnügen.
Sämtliche Dias und Originalfotos der Ausgrabung von damals befinden sich entweder im Besitz der Landesdenkmalpflege oder in Privatbesitz. Und ich denke, bevor nicht irgendein tapferer Doktorand/Doktorandin eine zusammenfassende Publikation über die Bopparder Fundlage geschrieben hat (ich werde das wohl nicht mehr erleben), gibt es wohl auch keine anderen Fotos außer denen des Tafelbandes. Nur die christlich-romanische Entwicklung der Kirche (die kürzlich zu einer basilica minor erhoben wurde) AUF und IN den römischen Ruinen wird wieder einmal besonders wichtig genommen und vor Ort dargestellt. 

Leider hat man die best erhaltene römische Therme nördlich der Alpen, die sich unter der Pfarrkirche St. Severus und dem Bopparder Marktplatz befindet, nach der Ausgrabung von 1963-66 wieder völlig unsichtbar zugeschüttet. In Xanten hat man dagegen über den verbliebenen Druckstellen der Fundamente der Therme einen riesigen Glasbau errichtet und dort treten sich die Besucher praktisch in die Hacken.

Hier eine Luftaufnahme der rekonstruirten Thermenanlage von Xanten. Die Fotos sind ebenfalls aus der 3-teiligen TV-Doku "Rom am Rhein". Man hat auch die Innenräume am Computer rekonstruiert und Massageliegen, kleine Geschäfte im Vorraum und Wandekorationen dargestellt.






In Boppard KÖNNTE man sogar die Einrichtung der Therme mit Badebecken und Einzelbadewannen besichtigen.

Auf der Eingangs-Südseite befand sind ein Korridor-Vorbau und seitlich die Auskleideräume, an der hinteren Mauer einen 180 qm großer Saal, die Sporthalle/Palästra, Bistro, etc. – die basilica thermarum.  Der östliche Raum mit Apsis hat eine Fussbodenheizung nur im mittleren Raumteil, deshalb hier mittlere Temperaturen und gilt als Erfrischungsraum zwischen Sporthalle und Bad.

  


    



An die Rheinmauer des Römerkastells lehnte sich innen ein Kastellbad mit den Maßen 50 x 35 m an. Die Thermen wurden an der rheinseitigen Mauer aus Schiefer-Grauwacke und mit neuen Ziegeln der XXII. Mainzer Legion errichtet. Braunroter Außenputz gab der Anlage außen ein freundliches Aussehen, ein Ziegel- oder Schieferdach schützte vor dem gallisch-germanischem Wetter und  verglaste Fenster in der Südseite brachten Licht und Wärme. Im Süden der Therme (heutiger Marktplatz) befand sich eine große Freifläche (Exerzierplatz), im Osten der Wirtschaftshof (wahrscheinlich neuzeitlicher Standort des alten Rathauses) im Westen das Prätorium. Bis in die Neuzeit hielt man sich an diese grundsätzliche Grundstückseinteilung

Die Therme war vermutlich von einer Umfassungsmauer umgeben, die als Sichtschutz diente, da vermutlich nur mit einem Tuch bekleidet, gebadet und Sport getrieben wurde. Allerdings gibt es auch Nachweise darüber, dass eine Art Bikini getragen wurde, wie ein Leder-Fund aus Trier beweist. Auch die Römerinnen mochten es "très chic".







Die Thermen waren zwar alle ähnlich - aber jede doch den örtlichen Gegebenheiten
angepasst errichtet worden. Dieses Modell ist eine Ansicht von Bliesbrück-Reinheim/Saarland


 

Auf dieser Grundrisszeichnung sieht man schön die beiden halbkreisförmigen Badebecken. Das Rechte liegt leicht rechts versetzt vor dem Christuskreuz an der Kirche unter dem Marktplatz. Die vielen kleinen Vierecke kennzeichnen die Fundorte der Ziegelstapel, die die Fussböden trugen und zwischen denen die warme Luft der Heizungsanlagen durch strömte.


Die Gliederung der Räume entsprach dem üblichen Bauschema der römischen Militärbadeanlagen: Kaltbad (Frigidarium), Schwitzbad (Sudatorium) und Warmbad (Caldarium). Das Wasser für die Badeanlage kam in einer typischen römischen Wasserleitung, die durch die Festungsmauer als Kanal hindurch geführt wurde, von Süden her aus den benachbarten Hängen des Rheintals (Schowes). Der Abwasserkanal führt unter den Thermen zum Rhein hin und spült auf seinem Weg die Latrinen.  Die Räume wurden durch Fußboden- (Hypokausten) und Wandheizung (Tubuli) erwärmt und geheizt.
 
Der eigentliche Badetrakt im Südosten der Anlage ist dem Licht und der Wärme zugeneigt. Es gibt hier Kaltbad/Frigidarium, Schwitzbad/Sudatorium, Warmbad/Caldarium.

 
                                                 Da guckt der "INRI" sozusagen direkt in die Badebecken.

Das Schwitzbad ist ein Raum mit direkter Fussbodenheizung und beheizten Wandfliesen. Es gibt eine Wanne mit Abflussrohr aus Blei. Man fand auch „moderne“ Drehwasserhähne aus Bronze, wie sie auch heute noch benutzt werden. Das Wasser wird auf den Fußboden geleert und verdampft dort. Die Rohre liessen sich mit passenden Bleistopfen öffnen und Schliessen.

 
Im Caldarium gibt es ein Warmwasserbassin im Boden eingetieft, mit Fussbodenheizung. Hier konnte man sich mit heissem Wasser übergiessen??? (vermutlich war hier eher eine Wanne hochgemauert). Bestimmt gab es auch Massageliegen und Ruhemöbel.


 




 
Baderituale
Vor dem Bad in den großen Becken reinigte man sich sicher vom groben Schmutz des Tages in Badwannen oder Übergießbecken. Es gab Barbiere, die Haarentfernung mit Pinzetten oder Rasur anboten, Schmutz aus den Ohren entfernten und Fingernnägeln feilten. Wer es sich leisten konnte, liess sich bestimmt massieren. Es wurden auch Ohrlöcher für Ohrringe gestochen. Friseure dienten der Behandlung der Haare und deren Schmuck mit Kämmen, Haarnadeln, Haarteilen, Perücken. Haarnadeln hat man überall im römischen Reich aus allen billigeren und natürlich auch wertvollen Materialien gefunden: aus Knochen, Horn, Holz, Gold, Silber, Bronze, Glas und Gagat. Es wurden Spiegel aus polierter Bronze benutzt.
Nach dem Bad  benutzte man parfümierte Öle oder Balsame als Deo, Schminken mit Farbpülverchen, vermischt mit Speichel oder Wasser, Gefässe aus Holz oder Knochen, Glasb, mit Korkstöpseln verschlossen.
Sicher wurde man auch mit Getränken und kleinen Mahlzeiten bedient, falls man das Geld dafür hatte. Keramik aus Mayen hat man hier gefunden und  (Rädchensigillata) aus den Argonnen.
 
Die Thermen wurden wahrscheinlich um 370 von einem Schadfeuer beschädigt. Ob es ein Unfall, ein germanischer Überfall oder vielleicht ein Konflikt unter den Einwohnern war, lässt sich nicht nachweisen. Nach den Germanenangriffen 406 wird das Kastell militärisch aufgegeben. Die Bopparder nutzen die Anlage jedoch weiter zu ihrem Schutz. Etwa 450 wird die Therme in eine frühchristliche Kirche verwandelt. Dazu nutzt man vor allem die große Halle der Therme/Palästra und baut mit 32x17m eine Saalkirche mit Ambo, Apsis, Baptisterium und Taufbecken (1,3m breit u. 60 cm tief) mit hölzernem Baldachin. Das Taufbecken liegt gleich hinter dem Westeingang der Kirche unter dem Fussboden und kann besichtigt werden.

Für manche Leute scheint die allerwichtigste Frage der Historie zu sein, wann es im Rheinland die ersten Christen gegeben hat. Wie immer galt auch damals die Devise: "Wes' Brot ich fress, des' Lied ich sing." Als Konstantins Familie sich dem Christentum zuneigte (Konstantin selbst war Zeit seines Lebens kein Christ), häuften sich auch die Taufen unter seinen untergebenen Amtsträgern, die sich dadurch einen Karrierevorsprung erhofften. Ab Einführung des Christentums als Staatsreligion unter Theodosius und des spätestens dann beginnenden Verdrängungskrieges gegen die alte keltisch-römischen-heidnischen Religionen, muss man davon ausgehen, dass die Führungsschicht nach und nach aus Staatsräson und Karrieredenken zum Christentum übertrat. Die Landbevölkerung versuchte man zum Übertritt zu zwingen; sie wehrte sich aber noch jahrhundertelang gegen die Christianisierung. Die Taufe Chlodwigs um 500 gab nochmal einen Schub für das Christentum. Ab ca. 800 wurde die Christianisierung unter Karl dem Großen innerhalb des Frankenreiches vorangetrieben und über die Elbe hinaus mit dem Schwert ausgedehnt. Das ist der Zeitpunkt, ab dem man mit einer wirklich flächendeckenden Christianisierung sprechen kann.

 
Weitere Historie

Boppard wird unter den Franken Verwaltungszentrum.  Die fränkischen Könige verfügten im Frühmittelalter am Mittelrhein über ausgedehnte Besitzungen. Als Verwaltungsmittelpunkt des Reichsgutkomplexes „Bopparder Reich“ zwischen Rhens und St. Goar, hatte Boppard (erstmals 643 urkundlich erwähnt) einen Königshof/Pfalz am Mühltalausgang. Im Laufe der Zeit entwickelte sich Boppard weiter und wurde im Jahr 803 als Reichsstadt bezeichnet. Der Fiskus (man beachte den Wortursprung vom römischen vicus) Boppard wurde damals von den Konradinern verwaltet. Das Reichsgut fiel in ottonischer Zeit wieder an das Reich zurück. In der Zeit danach besuchten die Könige regelmäßig ihre Besitzungen in Boppard (Pfalz im Mühlbachtal). In salischer Zeit trat eine Bopparder Ministerialenfamilie auf den Plan, die im Auftrag des Königs von Boppard aus die Reichsburg Schöneck gründete und sich nach ihr benannte.

 
Im Zusammenhang mit dem Bauernkrieg von 1525 scheiterte der letzte Versuch der Stadt Boppard, gegenüber ihrem Landesherrn, dem Kurfürsten und Erzbischof von Trier, ein Stück der alten reichsstädtischen Autonomie zurückzugewinnen.
 
Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) besetzten abwechselnd Spanier, Schweden, Franzosen, kaiserliche und bayerische Truppen die Stadt. Auch hier erfolgte eine vermutlich eher zwangsweise Durchmischung des gesamteuropäischen Genpools im Rheinland.
 
Zwischen 1794-1813 wurde das gesamt Rheintal und damit auch Boppard von französischen Revolutionstruppen besetzt. Das linke Rheinufer wurde Bestandteil der französischen Republik. Die städtischen Stifte und Klöster wurden aufgelöst, ihr Grundbesitz dem französischen „Nationalgut“ einverleibt.

Als Archäologe würde man Boppard bestimmt ganz gerne einmal „sprengen“ und komplett ausgraben wollen. Die mittelalterliche Bebauung (und die heutige) wurde direkt auf den römischen Resten errichtet. Wo immer man unter den Häusern der Innenstadt den Boden aufreisst, findet man römische Bauten und die originale Hauptstraße ca. 3m unter dem Straßenhorizont der heutigen Fußgängerzone. Hätte ich als Kind nur 30 cm tief in unserem gestampften Kellerboden direkt neben der alten B9 gegraben - was hätte ich wohl gefunden?

Ich bitte sämtliche Museen und Abbildungscopyright-Inhaber um Nachsicht (und ggfs. einen Protest an meine e-Mail-Adresse), wenn ich das eine oder andere hier eingestellt habe. Diese Seite soll vor allem auch dazu dienen, der einheimischen und der touristischen Bevölkerung die Geschichte und Fundorte der Region nahezulegen und die Museen zu besuchen, in denen es so vieles zu sehen gibt. Mein Traum wäre es übrigens, wenn wenigstens die Fundstücke aus den Bopparder Ausgrabungen im neuen Museum der Alten Burg präsentiert würden und nicht in den Archiven der Landesdenkmalpflege verstauben würden.