Das Roussillon - die französische Seite von Katalonien

Die Geschichte Kataloniens ist  zwischen den französisch-spanischen Fronten höchst wechselhaft gewesen, einige Zeit war das französische Roussillon und das spanische Katalonien sogar zu einem eigenen Königreich mit dem Balearen-Inseln verbunden.
Auch im Roussillon hört und sieht man wieder mehr und mehr das Katalanische auf Strassenschildern, Ortsnamen und auch in der gesprochenen Sprache. Allerdings spricht und schreibt es sich etwas anders als das spanische Catalá.

Das Roussillon ist von drei Landschaften geprägt, der touristisch stark erschlossenen Küstenregion, der eher flachen Hinterland-Ebene und den Tälern und Hochebenen der Pyrenäen.

Eine gute Karte und ein ausführlicher Reiseführer des Roussillon helfen sehr, all die Sehenswürdigkeiten ausfindig zu machen, die einen längeren Aufenthalt in diesem Landesteil Frankreichs interessant machen. Und es gibt SO viel zu sehen an kleinen und großen Sehenswürdigkeiten, dass man mehrmals hinfahren muss, um sie alle mal erforscht zu haben.

Auch im Roussillon gilt: Man besuche es in der Vorsaison im Mai-Juni bis zum Anfang der Sommerferien. Alles ist noch ruhig, gemütlich und sauber, die Kellner noch freundlich-motiviert und man findet überall noch einen Parkplatz - manchmal sogar im Schatten !

Wie immer im Ausland wird das Entgegenkommen der Bevölkerung gegenüber dem Urlauber durch dessen rudimentäre Kenntnis der Landessprache deutlich gesteigert, womit ich Französisch meine und nicht etwa das Catalá - das kann man auch von Touristen nicht wirklich verlangen.

Die Küste

Die Küstenregion am Golf du Lion,  teilt sich von von Norden her in die Cote Vermeille, die Zone der Sandstrände bei Le Bacares, Canet, Leucate, St. Cyprien mit diversen angeschlossenen Etangs (Binnenseen direkt hinter der Stranddüne) und die anschliessenden weitläufigen feinen Kiesstrände von Argeles-sur-Mer, die dann in den Küstenausläufern der Pyreneen bei Coullioure, Banyuls-sur-Mer und Cerbere und Port Bou in Kiesstrände und felsige Buchten der Cote Rocheuse übergehen.

Die Küstenorte sind mittlerweile sehr stark touristisch erschlossen, so dass vom eigentlichen rustikalen Charme, den die Region noch Anfang der 1980er hatte, kaum noch etwas übrig geblieben ist. Touristische Lokale und Pizzerien  - in meinen Augen auf kulinarisch eher sparsamem Niveau (in denen nicht mal auf Wunsch Knoblauch auf die Pizza Fruits de Mer bekommt) - prägen die Massen-Abfertigungs-Szene - eine Usine touristique - eine Urlaubsfabrik. Der Strand ist allerdings nach wie vor einfach toll.

Etwas individueller geht es weiter südlich in den kleinen Küstenorten nahe der spanischen Grenze zu. In Banyuls oder Coullioure sollte man auch unbedingt mal in eine Vinothek gehen. Die Banyulsweine sind hochprozentig, süss, fruchtig und vollmundig - eher was für schmeckerlecker als für eingefleischte Tannin-Fans. Wer sich durch alle Geschmacksvariationen der Region durchprobieren möchte, sollte viel Zeit mitbringen - und auf die am Ortsrand ausgeschilderten Parkplätze fahren, da diese in den kleinen alten Ortskernen absolute Mangelware darstellen.

Die Ebene

Die unweit der spanischen Grenze gelegene Stadt Perpignan/Perpinyá gehörte seit 1172 zur Krone von Aragonien- Katalonien, seit 1659 durch den Pyrenäenvertrag zu Frankreich. Von 1276 bis 1344 war Perpinyà / Perpignan die Hauptstadt des Königreichs von Mallorca, wovon heute noch der innerhalb einer gewaltigen Festungsanlage gelegene Palast der Könige von Mallorca zeugt.

Die Festung von Salses - in Sichtweite der Autobahn - ist ein riesiges Festungsbauwerk (auch dieses von Ludwig des XIV. Festungsbauer  Vauban designt), das man unbedingt besichtigt haben sollte.

Viel weiter Im Hinterland steht die wuchtige Festungsstadt Carcasonne, für deren Besuch man unbedingt einen ganzen Tag einplanen sollte - es gibt viel zu sehen. Die Stadt war schon eine keltische Höhensiedlung, wurde von den Römern im 1. Jahrhundert v. Chr. neu gegründet und zählt heute zu den am vollständigsten erhaltenen mittelalterlichen Festungsstädten Europas.

Im 13. Jahrhundert beherbergte die Festung die zentrale Verwaltung der Inquisition in Süd-Frankreich. Sie war Zentrum der vorreformatorischen Katharerbewegung. Mit Toulouse ist sie eine der wichtigsten Städte der historischen Region Okzitanien.

Die im 19. Jahrhundert vom Architekten Eugène Viollet-le-Duc restaurierte Altstadt mit gut erhaltener doppelter Stadtmauer wurde 1997 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Der Canal du Midi führte zunächst an der Stadt vorbei, wurde aber kurze Zeit später von den Bürgern der Stadt durch diese geführt, als sie die wirtschaftlichen Vorteile eines Kanals erkannten.

In Elne/Elna ist kirchen-architektonisch die Cathédrale St. Eulalie interessant und Thuir wegen seiner Schnaps-Brennerei mit den grössten, befüllten Weinfässern der Welt. Hier werden auch in vielen verschiedenen waschmaschinenartigen Maschinen die bekanntesten Liköre und Aperitifs Frankreichs hergestellt, z. B. der Martini.

Die Berghänge, Täler und Hochebenen

Von Nord-Ost nach Süd-West schlängeln sich zwei grosse Täler in die Pyreneen:  das Vallespir südlich des Hauptgipfels des Canigou mit den Hauptorten Cerét, Amélie les Bains, Arles sur Tech, der Schlucht "Gorges de la Fou", Prats-de-Molló und nördlich des Canigou das Conflet, das später in die Cerdanya übergeht. Hauptorte hier: Prades und die Abtei St. Michel de Cuxa, Vernet-les-Bains mit Zugang zum Canigou-Gipfel und in der Nähe die Grottes des Canalettes und die Abtei St. Martin du Canigou. Unbedingt sollte man die "Grottes de Canalettes" besuchen - eine ziemlich große Tropfsteinhöhle mit phantasie- und effektvoller Beleuchtung.

In der Cerdanya sollte man sich auch mal den "Sonnenofen" von Font-Romeu ansehen, ein Spiegel-Kollektor der eine Dampfturbine zur Stromerzeugung antreibt. Ein sehr frühes Werk der Solartechnik.

Hier oben in der Cerdanya befindet sich ein Wintersportgebiet. Auch im Sommer ist es hier dank der Höhenlage frisch und wenn die Narzissen über das ganze Tal ihren Blütenteppich ausbreiten..., das muss man mal gesehen haben!

Der Gipfel-Zipfel-Wipfel der Region ist natürlich auch von der französischen Seite aus der Canigou. Von Frankreich her ist er bis unterhalb der Gipfelregion mit dem Auto erforschbar, besser in einer hübschen Bergwanderung. Die "Straße" war damals nur für 4-Rad-Geländewagen ausgeschildert und wie die nach 20 Jahren aussieht - keine Ahnung. Egal.. mein damals funkelnagelneuer Renault 19 hat es bis zum letzten - mit dem Auto erreichbaren - Höhenmeter geschafft. Der Stundenkilometer-Schnitt lag bei 5 und sämtliche Achsschenkel und Stossdämpfer und sonstige am Unterboden angebrachte Teile haben es überlebt. Auf Rund 2200 Meter Höhe war es dann recht frostig und die ersten Schneefelder auf Augenhöhe.

Auf den folgenden Seiten entsteht ein Bilderbuch der Region. Dabei muss ich zum Teil auf alte analog-Fotos aus den 80ern zurückgreifen. Mal sehen, wie die digitalisiert rüberkommen werden.